03. März 2010
Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zufolge belaufen sich die mit Übergewicht verbundenen Gesundheitskosten in der Schweiz auf rund 5¾ Mrd. Franken pro Jahr. WHO-Studien zeigen, dass die Deklaration von Nährwerten für die Auswahl von gesunden Lebensmitteln wichtig ist. Das BAG erwägt daher die Einführung eines «Healthy Choices»-Label. Es hat dazu eine Vernehmlassung lanciert, die bis Ende März dauert.
Mit der Einführung des Choices-Labels würde ein weiteres, wenn auch staatlich sanktioniertes Label zur bereits breit gefächerten Label-Palette hinzukommen. Dies hätte zur Folge, dass die Lebensmittel ohne Label bei der Konsumentenschaft den Eindruck von ungesund oder gar krankmachend erwecken. Je nach Interpretation kann das Choices-Label auch mit einer Gesundheitsanpreisung in Verbindung gebracht werden; eine solche wird bekanntermassen über die Heilmittel- und nicht über die Lebensmittelgesetzgebung geregelt. Vor allem aber zu hinterfragen ist, weshalb das Gesundheits-Label bezogen auf Fleisch nur aufgrund von oberen Gehaltslimiten für nachteilig wirkende Inhaltsstoffe (v.a. Fett, Salz) erteilt werden soll. Damit werden einerseits die positiv wirkenden Nährstoffe (z.B. Eisen, B-Vitamine), die für eine ausgewogene und gesunde Ernährung ebenso zentral sind, einfach ausgeblendet. Andererseits gilt es auch zu beachten, dass Übergewicht nicht nur mit den Gehaltswerten, sondern auch mit der Portionengrösse, genügend Bewegung und weiteren Faktoren zusammenhängt. Eine konkrete Überprüfung der Gehaltslimiten zeigt zudem, dass Rohwürste und Rohpökelwaren aufgrund ihres Kochsalzgehaltes vom Label ausgeschlossen würden. Noch drastischer sieht die Situation bezüglich Fettgehalt aus, indem ein Grossteil des Frischfleisches und generell die Fleischprodukte die Label-Anforderungen wohl nicht erfüllen könnten.
Aus den genannten Gründen ist das Ansinnen des BAG, in der Schweiz das «Healthy Choices»-Label einzuführen, klar abzulehnen. Dies deckt sich auch mit diversen Meinungsäusserungen aus der Lebensmittelindustrie und der Wirtschaft.
Ruedi Hadorn


